HRtalk: Hallo Gerrit, vielen Dank, dass du dir im Rahmen der “Z talks” für mich Zeit nimmst. Stell dich den Lesern doch kurz vor.

Hey ich bin Gerrit, ich bin 23 Jahre alt und studiere Betriebswirtschaftslehre. Ich bin im 7. Semester und stehe kurz davor mein Masterstudium zu beginnen.

HRtalk: Ich habe dich im Rahmen deiner Bachelorarbeit kennengelernt, worüber schreibst du?

Ich schreibe über Workstream-Collaboration-Tools und deren Nutzung in der Produktentwicklung bei deutschen Startups, oder verständlicher ausgedrückt: Ich untersuche wie Slack oder Microsoft Teams helfen können aus einer Idee ein Produkt zu machen.

HRtalk: Das klingt nach viel Arbeit, was du da vor hast. Wieso hast du dich im Vorfeld für ein Studium entschlossen und nicht für eine Ausbildung? Oder hast du mir das bisher verschwiegen 😉

Tatsächlich habe ich vor meinem Studium eine Ausbildung zum Finanzassistent, im Grunde ein Bankkaufmann+, gemacht. Es kam dazu, da ich mich ursprünglich bei der selben Bank auf ein duales Studium beworben hatte. Die Bewerbungsfristen für duale Studien sind viel früher als die fürs „echte“ Studium (noch im Winter vor meinem Abi), daher kam die Rückmeldung noch bevor ich angefangen habe mich auf andere Studienplätze zu bewerben. Den Studienplatz hab ich nicht bekommen, aber stattdessen wurde mir eine zweijährige Ausbildung angeboten. Den Ausbildungsplatz habe ich angenommen, weil ich wusste, dass Erfahrung in der „echten“ Welt mir bei meinen späteren Bewerbungen, sowohl auf Studienplätze als auch auf Jobs, gut ankommen würde. Außerdem war das Ausbildungsgehalt erste Sahne. Langfristig wollte ich aber weiter lernen und auch mal von Zuhause weg, also Tschüss geregelter Bankalltag; Hallo studentisches Lotterleben.

HRtalk: Kommen wir zu deinem zukünftigen Arbeitgeber. Wie stellst du dir deinen perfekten zukünftigen Arbeitgeber vor?

Das ist für mich als BWL-er natürlich eine super wichtige Frage, da ich ja theoretisch in fast jedem Unternehmen anfangen könnte.

Ich denke die Lage wäre für auf jeden Fall ein wichtiger Punkt. Als Dorfkind habe ich kein riesiges Verlangen in eine Massenmetropole zu ziehen, aber ich will auch nicht wieder zurück aufs platte Land wo nichts los ist. Ich denke eine mittelgroße Stadt mit schöner Landschaft außen rum wäre super, gerne auch im Ausland. 

Ein positives und freies Arbeitsklima ist mir auch wichtig. Ich arbeite gern in dynamischen Teams, weil sich es einfach weniger nach Arbeit anfühlt, wenn man als Team eine Aufgabe löst. Von meinen Vorgesetzten erwarte ich, das sie mir die Möglichkeit geben Aufgaben, Probleme und Strategien auch außerhalb von bestehenden Denkschemata zu bearbeiten. Ich denke, dass ich dieses Vertrauen durch meine gute Ausbildung und meine generelle Einstellung und Fähigkeiten verdiene.

Das wichtigste ist aber, dass mir eine interessante Aufgabe gestellt wird und dass ich das Gefühl habe, dass meine Arbeit etwas erreicht, oder dazu beiträgt, dass etwas erreicht wird. Einfach nur in einem formalen Kontrollsumpf festzustecken und für jeden echten Arbeitsschritt drei Formulare ausfüllen zu müssen hat mich schon zu Bänkertagen immer genervt.

HRtalk: Gibt es Employer Benefits, die für dich besonders wichtig sind oder sogar deine Entscheidung bei der Job Wahl beeinflussen würden?

Auch wenn ich noch Jahre davon entfernt bin eine eigene Familie zu gründen, sehe ich es trotzdem immer gern wenn Unternehmen ihre Angestellten darin unterstützen. Ich finde einen Betriebskindergarten eine echt gute Sache und auch flexible Arbeitszeiten für Eltern (und gerne auch alle anderen) finde ich Spitze.

Persönlich finde ich es auch cool, wenn Arbeitgeber Sport-, oder Bewegungsprogramme haben. Nicht nur weil ich selbst gerne Sport mache, sondern weil ich auch denke, dass es zeigt, dass meine Gesundheit wertgeschätzt wird und wenn meine Kollegen dann auch alle fitter sind und weniger oft krank, ist das natürlich auch prima. Und wenn sich die Chance bietet mit Kollegen Sport zu machen ist das natürlich besser als jede krampfhaft erzwungene Teambuildingmaßnahme.

Ich weiß nicht ob das schon als Employer Benefit gilt, aber einige supermoderne Unternehmen praktizieren es, dass Angestellte keinen eigenen Arbeitsplatz mehr haben, sondern sich morgens einfach einen freien Schreibtisch suchen. Das finde ich furchtbar. Wenn ich 8 Stunden am Tag arbeiten gehe finde ich es echt nicht zu viel verlangt, dass ich dort einen Platz nur für mich, eine Heimat fern von Zuhause, habe. Und auch wenn das für viele Berufseinsteiger meiner Generation nicht super wichtig sein wird, würde ich mich über ein richtiges eigenes Büro, mit Tür und allem Drum und Dran, riesig freuen.

HRtalk: Wenn du morgen nach einem Job suchen müsstest, wo würdest du suchen?

Falls du wo (an welchem Standort) meinst:

Puh, ich glaube das wäre meine letzte Sorge. Da ich jung und ungebunden bin, würde es mir nichts ausmachen auch weit weg zu arbeiten. Ich freue mich immer über eine Chance neue Leute kennenzulernen und denke das ich mich nahezu überall wohlfühlen kann. Und da ich leidenschaftlich gerne das breite Sprachangebot meiner Uni nutze, steht mir auch die ganze Welt offen. Und wenn ich dann genug von diesem Ort habe suche ich mir auf meine (mittel-)alten Tage eben was neues.

Falls du meintest welches Medium/welche Methode ich für meine Suche nutzen würde:

Das sei vorangestellt: Ich würde natürlich komplett online suchen. Aber wie genau ich es angehen würde… Wahrscheinlich würde ich auf einer der großen Stellenangebotswebsites anfangen und dann erst zu speziellen für mein Fachgebiet wechseln und zu guter Letzt würde ich Websites zu Rate ziehen die Stellenangebote aus der Branche, die mich interessiert, sammeln. Dann würde ich alle die Gesuche, die oberflächlich interessant klingen sammeln, und dann die bisherige Arbeit der Unternehmen auf dem Gebiet anschauen. Das heißt das auch die Website des Unternehmens gut gestaltet sein sollte und bewerberrelevante Daten gut zu finden. Und auch ein gepflegter Social-Media-Auftritt ist dann für mich relevant. Da ein ungepflegter Social-Media-Auftritt von einer gewissen Unbeholfenheit zeugt. Es heißt, dass man sich keine Gedanken darüber macht wie man dieses (sehr öffentliche) Tool am besten einsetzt. Und wer will schon für ein Unternehmen arbeiten, dass nicht versteht wie es die Tools, die ihm zur Verfügung stehen, richtig einsetzt. Das heißt nicht das jedes Unternehmen einen mega-coolen Instagram-Account braucht, aber wenn es sich dafür entscheidet eine Social-Media-Präsenz zu haben, sollte dies auch in irgendeiner Form wertvoll sein.

HRtalk: Es gibt heutzutage viele Werbemöglichkeiten für Unternehmen, um Studenten zu erreichen. Welches Werbemedium ist dir am meisten in Erinnerung geblieben?

Ganz im Ernst, die Werbeplakate auf den Toiletten. Ich meine, ich bin hier und werde auch nicht so schnell von hier wegkommen, was soll ich machen, das Poster vor meiner Nase nicht lesen? Ich glaube ich kann jedes Unternehmen aufzählen, das in den dreieinhalb Jahren meines Studiums Werbeflächen über einem Urinal an der Uni gekauft hat.

HRtalk: Welches Werbemedium würdest du Unternehmen empfehlen, um Studenten zu erreichen?

Trotz dessen, dass Studenten heute viele Vorlesungen haben, die online gestreamt werden und auch Studienmaterial zu weiten Teilen online ist, sind fast alle Studenten, die ich kenne, jeden Tag an der Uni. Ich studiere an einer Campusuni und der Campus ist einfach immer noch der beste Platz, um Studenten abzuholen. Den einzigen Fehler, den viele Unternehmen hier meiner Meinung nach machen, ist dass sie Stände im Eingangsbereich der Mensa aufbauen und dann zu Stoßzeiten versuchen mit Studenten ins Gespräch zu kommen. Aber natürlich ist das nur mäßig erfolgreich, weil jeder Student, der aus einer 600-Mann-Vorlesung kommt, weiß, dass wenn er jetzt 2 Minuten mit dem netten jungen Mann vom ADAC spricht, er dann auch 20 Minuten in der Schlange vorm Schnitzel steht.

Aber gerade im Sommer sind immer Studenten über die Grünflächen des Campus und seine Cafés verteilt, und diese Studenten sind meistens sehr entspannt und gut gelaunt. Warum man dort nicht öfter von Promotern angesprochen wird ist mir fraglich.

Klassische Plakatwerbung auf dem Campus halte ich persönlich auch immer noch für sehr vielversprechend.

Ein weiterer Weg wie Unternehmen Studenten gut erreichen können ist durch das Sponsoring von Events und Partys. Campusevents aller Art finden das ganze Jahr hinweg statt und bieten akademische, sportliche und soziale Aktivitäten, sich hier einzukaufen bietet nicht nur breite Exposure sondern ermöglicht auch den Fortbestand solcher Events, und teil eines guten Campuslebens zu sein lässt ein Unternehmen natürlich sehr freundlich und nahbar wirken. Als Beispiel hierfür hat Ernst&Young vor ein paar Jahren einen Escaperoom auf dem Campus aufgebaut, denn Studenten kostenlos nutzen konnten.

Viele Online-Ansätze, um Studenten zu erreichen halte ich dagegen eher für schwierig, da wir uns online so schnell bewegen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass wir an einer speziellen Werbung hängen bleiben einfach zu gering ist.

HRtalk: Vielen dank Gerrit, dass du dir die Zeit für mich genommen hast. Hast du noch irgendwelche Abschlussworte, die du den Unternehmen gerne mitgeben möchtest?

Sehr gerne! Abschließend möchte ich Unternehmen sagen, dass wenn sie eine Einstiegsposition vergeben möchten, mangelnde Erfahrung kein Kriterium sein sollte. Gerade bei akademischen Berufseinsteigern sollte man nicht vergessen, dass diese sich durch ein langwieriges Studium auch Fähigkeiten angeeignet haben die wenig mit Vorlesungen zu tun haben. In 6 bis wer-weiß-wie-vielen Semestern lernen Studenten viele Dinge, die für den Unternehmensalltag kritisch sind, ob dass jetzt Zeitmanagement, Stressbewältigung, Konfliktbewältigung oder Teamarbeit ist. Diese soften Fähigkeiten sind viel wert. Auch wenn der junge Student frisch von der Uni noch nicht weiß wie es in Ihrem Unternehmen läuft wird er sich trotzdem schnell einfinden, und das Unternehmen profitiert dann von Fachwissen auf dem neuesten Stand.