Der Horn Effekt: Definition, Beispiele und Vermeidungstaktiken

Der Horn Effekt ist eine Art von kognitiver Voreingenommenheit, bei der unser Gesamteindruck von einer Person beeinflusst, wie wir uns fühlen und über ihren Charakter denken. Im Wesentlichen beeinflusst Ihr Gesamteindruck von einer Person („Er ist nicht nett!“) Ihre Bewertungen der spezifischen Eigenschaften dieser Person („Er ist auch nicht klug!“). Die Wahrnehmung eines einzelnen Merkmals kann sich darauf übertragen, wie Menschen andere Aspekte dieser Person wahrnehmen.

Was ist der Horn Effekt?

Der Horn Effekt entsteht, wenn man eine Person beurteilt und ihr auf der Grundlage einer bekannten Eigenschaft negative Eigenschaften zuschreibt. Beispielsweise neigen Menschen dazu, übergewichtige Menschen für faul zu halten. Dieser Effekt steht in engem Zusammenhang mit dem Halo-Effekt, d.h. wenn man einer Person positive statt negativer Eigenschaften zuschreibt.

Der Horn Effekt spielt eine wichtige Rolle im Einstellungsprozess. Er kann dazu führen, dass Sie Annahmen über einen potenziellen Kandidaten treffen und Entscheidungen auf der Grundlage dieser Annahmen treffen. Damit erhöht er die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen potenziell ideale Kandidaten ausschließt und stattdessen die falschen Leute einstellt.

Die Ursprünge des Horn Effekts

Der Psychologe Edward L. Thorndike entdeckte dieses seltsame Phänomen 1920, als er Soldaten studierte und bemerkte, dass sie, wenn sie etwas Gutes an ihren Vorgesetzten entdeckten, automatisch begannen, ihnen andere positive Eigenschaften zuzuschreiben. Wenn das erste, was sie an ihrem Vorgesetzten entdeckten, jedoch negativ war, schrieben sie ihm negative Züge zu.

Jahre später teilten die Forscher Nisbett und Wilson von der University of Michigan 118 Studenten in zwei Gruppen ein. Dann zeigten sie jeder Gruppe ein anderes Video desselben Professors. In einem Video wirkte der Professor freundlich, während er in dem anderen Video unhöflich und autoritär wirkte.

Nach der Vorführung wiesen die Forscher die Studenten an, den Professor zu beschreiben. Interessanterweise beschrieben die Studenten, die das Video des „freundlichen“ Professors sahen, ihn als einen attraktiven Mann. Die andere Gruppe sagte jedoch, er habe ein unangenehmes Aussehen.

Dieses interessante Experiment zeigt, wie Ihre Wahrnehmung einer anderen Person Ihr Urteilsvermögen in einem unerwarteten Ausmaß beeinflusst. Eine weitere interessante Sache über den Horn Effekt ist, dass es sehr schwierig ist, seine Meinung über eine Person zu ändern, sobald man ihr einmal eine Eigenschaft zugeschrieben hat. Wenn die ersten Dinge, die Ihnen an jemandem auffallen, positiv sind, ist es einfacher, all ihre negativen Aspekte zu ignorieren und umgekehrt.

Häufige Beispiele für den Horn Effekt

Vielleicht haben Sie schon einmal auf den Kauf eines Lebensmittels verzichtet, weil auf dem Etikett künstliche Aromen oder Gentechnik angegeben waren. Das Produkt selbst könnte einige positive Eigenschaften haben, aber die negative Eigenschaft, die Ihnen zuerst auffällt, beeinflusst Ihre Wahrnehmung.

Haben Sie schon einmal eine andere Dating-App benutzt, bei der Sie durch Wischen Kontakt aufnehmen können? Diese Apps, die Sie dazu ermutigen, eine schnelle Entscheidung über den Wert einer Person als potenziellen Partner auf der Grundlage ihres Aussehens und ihrer Attraktivität zu treffen, basieren quasi auf demh Halo-und-Horn-Effekt.

Sicherlich spielt die Attraktivität bei der Partnersuche eine Rolle, aber Menschen neigen dazu, Menschen, die sie für attraktiv halten, andere positive Eigenschaften zuzuschreiben. Eigenschaften, die sie nicht unbedingt haben.

Hinzu kommt, dass ein Foto, vor allem ein schlechtes, in der Regel kein vollständiges Bild von einer Person vermittelt. Der Horn Effekt führt dann dazu, dass Sie aufgrund dieses ersten kurzen Eindrucks von „nicht mein Typ“ nach links wischen.

Wenn diese Voreingenommenheit Ihre Fähigkeit beeinträchtigt, die positiven Eigenschaften einer Person zu erkennen oder die ganze Person jenseits des „Horns“ zu sehen, kann dies zu Vorurteilen führen und eine Menge Schmerz verursachen.

Betrachten wir folgende weitere Beispiele:

Sie beginnen einen neuen Job

An Ihrem ersten Tag kommen Sie in Ihrem neuen Büro an und treffen zum ersten Mal Ihre neuen Kollegen. Inmitten des Wirrwarrs von neuen Namen und Gesichtern sticht eine Person besonders hervor. Ein Mitglied Ihres unmittelbaren Teams, das jeden Satz mit einem Fragezeichen und einem nervösen Glucksen beendet.

„Das nervt!“ denken Sie sich.

Auch andere Urteile könnten Ihnen in den Sinn kommen. Vielleicht nehmen Sie an, dass derjenige kein Selbstvertrauen hat, oder Sie fragen sich, wie er es in seiner Karriere so weit bringen konnte, obwohl er so unprofessionell wirkt. Vielleicht nehmen Sie sogar an, dass niemand sonst diese Angewohnheit mag, und befürchten, dass diese Verachtung auf Sie abfärben könnte, wenn Sie sich ihnen nähern.

Also halten Sie Abstand und gehen auf Tuchfühlung, wenn es unbedingt nötig ist. Infolgedessen verpassen Sie die Gelegenheit, eine solide Arbeitsbeziehung, vielleicht sogar eine Freundschaft an der Arbeit aufzubauen.

Sie treffen die Eltern Ihres Partners

Nach mehreren Monaten des Kennenlernens wollen Sie endlich die Eltern Ihres Partners kennen lernen.

Sie fahren früh los, damit Sie genügend Zeit haben, ihr Haus zu finden. Obwohl Sie mit dem Verkehr gerechnet haben, konnten Sie den Unfall nicht vorhersehen, der Sie eine Stunde lang auf der Autobahn aufhält. Als Sie schließlich mit 40 Minuten Verspätung ankommen, entschuldigen Sie sich und erzählen von dem Unfall.

Der Vater Ihres Partners begrüßt Sie und winkt Ihre Erklärung ab, aber die Mutter wird nicht ganz warm mit Ihnen. Sie reicht Ihnen eine Tasse mit lauwarmem Kaffee, ohne zu fragen, ob Sie Milch oder Zucker möchten.

Nachdem sie allen anderen ein Stück Kuchen serviert hat, lässt sie das Blech auf dem Tisch stehen, damit Sie sich Ihr eigenes holen können. Wenn Sie ihr von Ihren Interessen und beruflichen Erfolgen erzählen, schnaubt sie nur abfällig.

Als Sie wieder Zuhause sind sagen Sie: „Ich glaube, deine Mutter mochte mich nicht besonders“.

Ihr Partner seufzt und erklärt. „Das liegt daran, dass du zu spät gekommen bist. Sie kann Verspätungen nicht ausstehen, also wird sie dir das immer vorhalten.“

„Aber es war nicht meine Schuld“, verteidigst du dich. „Ich bin viel zu früh losgefahren. Ich kann doch nichts dafür, dass jemand verunglückt ist.“

„Natürlich nicht, aber sie sieht das so, dass du Pech hattest, und das mag sie auch nicht“, antwortet dein Partner.

Der Horn Effekt während des Einstellungsverfahrens

Wie bereits vorher gesagt wurde, kann ein einziges Vorurteil dazu führen, dass man glaubt, eine Person habe eine ganze Reihe zusätzlicher negativer Eigenschaften. Dies ist während des Einstellungsverfahrens aus offensichtlichen Gründen gefährlich. Wenn der Interviewer einen schlechten ersten Eindruck von einem Bewerber hat, kann er ihn abschreiben und stattdessen jemanden wählen, der nicht der Richtige für die Stelle ist.

Wie der Horn Effekt vermieden werden kann

Wenn Sie den Horneffekt während des Einstellungsverfahrens vermeiden wollen, befolgen Sie folgende Vorschläge:

  • Bleiben Sie wachsam. Den ersten Schritt haben Sie bereits getan. Sie wissen, dass der Effekt existiert und er Ihr Urteilsvermögen erheblich beeinflussen kann. Gehen Sie also davon aus, dass jeder Mensch Vorurteile hat, wissen aber, wie man sie erkennen kann und lassen Sie nicht zu, dass sie die Realität verzerren. Es ist wichtig, sich der emotionalen Reaktionen bewusst zu sein, die Sie während eines Vorstellungsgesprächs haben könnten und diese zugunsten eines professionelleren Verhaltens beiseite zu legen.
  • Strukturieren Sie das Vorstellungsgespräch. Während eines Vorstellungsgesprächs ist es wichtig, sich nicht von den ersten Eindrücken hinreißen zu lassen. Versuchen Sie, einen Schritt zurückzutreten und jeden potenziellen Mitarbeiter so objektiv wie möglich zu analysieren.
  • Analysieren Sie nur, was Sie analysieren müssen. Entwerfen Sie ein Vorstellungsgespräch, das die Fähigkeit der Kandidaten analysiert, potenzielle Herausforderungen zu bewältigen und klassifizieren Sie ihre Fähigkeiten nach ihrer Relevanz für die Stelle.

Diese Ideen sollten Ihnen helfen, sich des Horneffekts in Ihrem täglichen Leben wie auch während des Einstellungsprozesses bewusster zu werden. Auf diese Weise werden Sie bei der Einstellung objektiver sein und auch Ihr Unternehmen wird langfristig davon profitieren, da es mehr qualifizierte Kandidaten hat.

Dieses Wissen können Sie auch zu Ihren Gunsten nutzen, wenn Sie der Kandidat für eine offene Stelle sind. Versuchen Sie, Fragen so zu beantworten, dass Ihre Leistungen und Ihre besten Eigenschaften hervorgehoben werden.

In Ihrem Privatleben kann Ihnen das Wissen um den Horneffekt helfen, Vorurteile zu vermeiden, wenn Sie neue Leute kennen lernen. Wenn Sie sich dafür entscheiden, offener und objektiver zu sein, können Sie viele neue Beziehungen aufbauen.

Bücher zum Horn Effekt

Unten ein paar ausgewählte Bücher von mir, die auf den Horn-Effekt eingehen. Nicht wundern, dass die Bücher alle einen Titel mit „Halo-Effekt“ besitzen. Dieser ist das Pendant zum Horn Effekt.

Der Halo-Effekt: Wie Manager sich täuschen lassen von Phil Rosenzweig

Halo-Effekt. Halten wir attraktive Menschen für Intelligenter? von GRIN Verlag

Der Halo Effekt im Recruiting von Mandy Witt

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