Steuerrecht wird in vielen Unternehmen noch immer vor allem als Pflichtaufgabe wahrgenommen. Tatsächlich hat sich seine Bedeutung jedoch deutlich erweitert. Komplexere Gesetzgebung, internationale Verflechtungen, zunehmende Dokumentationspflichten und ein gestiegenes Haftungsbewusstsein machen steuerliche Fragen zu einem zentralen Bestandteil unternehmerischer Entscheidungen. Fehler oder Versäumnisse können erhebliche wirtschaftliche und persönliche Konsequenzen nach sich ziehen – für Unternehmen ebenso wie für Geschäftsführungen.
Gerade im Mittelstand und bei wachsenden Unternehmen zeigt sich, wie wichtig eine frühzeitige, strukturierte steuerrechtliche Beratung ist. Wer einen Anwalt für Steuerrecht in München sucht, stößt auf Kanzleien, die steuerliche Fragestellungen nicht isoliert betrachten, sondern in einen unternehmerischen Gesamtkontext einordnen. wild.legal verfolgt genau diesen Ansatz: Die Kanzlei verbindet steuerrechtliche Expertise mit wirtschaftlichem Verständnis und begleitet Unternehmen bei strategischen, operativen und konfliktbezogenen Fragestellungen.
Die Anforderungen an steuerrechtliche Beratung haben sich spürbar verändert. Neben klassischer Deklarations- und Gestaltungsberatung gewinnen Themen wie Compliance, Haftungsvermeidung, Betriebsprüfungen und internationale Sachverhalte an Gewicht. Gleichzeitig erwarten Mandanten klare Kommunikation, realistische Einschätzungen und Lösungen, die sich im Unternehmensalltag umsetzen lassen. Steuerrecht wird damit zu einem Feld, das juristische Präzision ebenso erfordert wie strategisches Denken.
Auch aus HR-Perspektive spielt Steuerrecht eine zunehmend relevante Rolle. Vergütungsmodelle, Mitarbeiterbeteiligungen, internationale Beschäftigungsverhältnisse oder die steuerliche Behandlung von Benefits berühren regelmäßig arbeits- und steuerrechtliche Schnittstellen. Unternehmen benötigen hier Beratung, die rechtliche Sicherheit schafft und zugleich Gestaltungsspielräume aufzeigt.
Wie moderne steuerrechtliche Beratung heute aussieht, welche Fehler Unternehmen vermeiden sollten und warum Steuerrecht längst ein strategischer Faktor ist – darüber hat hrtalk.de mit Dr. Katharina Wild gesprochen.
hrtalk.de: Frau Dr. Wild, wie hat sich die Rolle des Steuerrechts im Unternehmensalltag in den vergangenen Jahren verändert?
Dr. Katharina Wild: In den letzten Jahren ist das Steuerrecht zu einem Kernelement der Unternehmensführung geworden. Wo früher die richtige Abgabe der Steuererklärung genügte, ist heute das Tax Compliance Management System (TCMS) der neue Standard. Das TCMS dient aufgrund verschärfter Rechtsprechung und strengerer Betriebsprüfungen dem Schutz der Geschäftsführung vor Vorwürfen der vorsätzlichen Steuerhinterziehung. Steuerliche Risiken werden durch ein TCMS bereits beim Geschäftsvorfall identifiziert und nicht erst bei der Bilanzierung.
Auch der Datenaustausch mit der Finanzverwaltung hat sich radikal geändert. Steuerliche Informationen müssten aus ERP-Systemen verwertet werden können. E-Invoicing und E-Reporting zwingt Unternehmen dazu, ihre IT-Infrastruktur anzupassen. Steuerrecht ist daher heute auch Datenmanagement.
Für große Unternehmen erhält das Steuerrecht durch die Verknüpfung mit Nachhaltigkeitszielen im Rahmen des ESG-Reporting eine neue Bedeutung. Steuern werden als gesellschaftlicher Beitrag wahrgenommen. Mit aggressiver Steuerplanung geht ein massives Reputationsrisiko einher.
Für internationale Konzerne ist neben die Thematik der Verrechnungspreise die globale Mindestbesteuerung (Pillar Two) hinzugetreten, sodass auch bei moderater Auslandstätigkeit nun hochkomplexe Berechnungen durchgeführt werden müssen.
hrtalk.de: Viele Unternehmen reagieren erst bei Problemen auf steuerliche Fragestellungen. Warum ist ein frühzeitiger Ansatz so wichtig?
Dr. Katharina Wild: Das frühzeitige Erkennen steuerlicher Risiken ist sowohl aus betriebswirtschaftlichen als auch aus rechtlichen Gründen wichtig. Rechtzeitig erkannt lassen sich steuerliche Risiken proaktiv steuern und eine persönliche Haftung der Geschäftsführer vermeiden. Bei steuerlichen Fehlern schützt die Rechtsform der GmbH nicht vor dem Zugriff auf das Privatvermögen. Den Geschäftsführer trifft nach der Rechtsprechung eine Mittelvorsorgepflicht. Er muss sicherstellen, dass Steuern der Gesellschaft auch bezahlt werden können. Wer reaktiv handelt, zahlt oft zu viel oder wird von hohen Nachzahlungen plus Zinsen überrascht. Im Bereich der Umsatzsteuer führen Fehler in der IT-Konfiguration sofort zu falschen Rechnungen, sodass bereits vor der nächsten Betriebsprüfung enorme steuerliche Risiken entstehen können.
hrtalk.de: Welche steuerrechtlichen Themen spielen aktuell für mittelständische Unternehmen eine besonders große Rolle?
Dr. Katharina Wild: Im Jahr 2025 sind die Anforderungen an Dokumentation und IT-Infrastruktur gestiegen, während der Gesetzgeber mit dem Wachstumschancengesetz Anreize für Investitionen schaffte.
Im B2B-Bereich ist seit dem 1. Januar 2025 die E-Rechnung verpflichtend. Zwar gibt es Übergangsfristen bis Ende 2026 (bzw. 2027 für kleiner Betriebe). Gleichwohl müssen die internen Prozesse jetzt umgestellt werden.
Für mittelständische Unternehmen mit Auslandsaktivitäten gelten seit 2025 verschärfte Fristen für die Vorlage von Verrechnungspreisdokumentationen, die im Fall einer Betriebsprüfung innerhalb von 30 Tagen vorgelegt werden müssen. Die Anforderungen an die Transaktionsmatrix und Stammdokumentation wurden präzisiert. Wer hier nicht vorbereitet ist, riskiert hohe Zuschläge.
Steuerliche Entlastungen wurden eingeführt durch die Anhebung der GWG-Grenze von 800 Euro auf 1.000 Euro, die befristete Wiedereinführung der degressiven Abschreibung für bewegliche Wirtschaftsgüter und die Ausweitung der steuerlichen Förderung von Forschung und Entwicklung über eine Forschungszulage.
hrtalk.de: Steuerrecht und HR überschneiden sich zunehmend. Wo sehen Sie hier besondere Herausforderungen?
Dr. Katharina Wild: Die drei größten Herausforderungen für HR-Abteilungen sind der Wunsch nach mobilem Arbeiten über Ländergrenzen hinweg, das Employer Branding durch steuerfreie Benefits und der Einsatz von Freelancern und Beratern.
Workation im Ausland ist steuerlich ein Minenfeld. Denn wenn ein Mitarbeiter zu viele Tage im Ausland arbeitet, kann das für das Unternehmen eine steuerliche Betriebsstätte im Ausland begründen, was zu massiven Compliance-Kosten führen kann. Auch an das Vorliegen einer A1-Bescheinigung zur Vermeidung sozialversicherungsrechtlicher Risiken sollte gedacht werden.
Steuerfreie Benefits sind im Wettbewerb um Fachkräfte unerlässlich, führen aber zu einem Zusatzaufwand. Sachbezugswerte müssen überwacht werden, die Regelungen zur Dienstwagen-Versteuerung, Jobticket oder E-Bike-Leasing ändern sich fast jährlich und steuerfreie Zuschüsse zur Kinderbetreuung oder Gesundheitsförderung sind an enge Dokumentationspflichten gebunden.
hrtalk.de: Wie wichtig sind Transparenz und klare Kommunikation in der steuerrechtlichen Beratung?
Dr. Katharina Wild: Transparenz und klare Kommunikation sind innerhalb des Unternehmens und auch gegenüber der Finanzbehörde entscheiden. Nur bei einem Austausch der Abteilungen (Einkauf, HR, Vertrieb) können steuerliche Risiken erkannt und gesteuert werden. Gegenüber dem Finanzamt wirkt eine klare Kommunikation vertrauensbildend und reduziert strafrechtliche Risiken. Transparenz bedeutet auch Fehlerkultur. Werden Fehler entdeckt, ist die Kommunikation in Gestalt einer strafbefreienden Selbstanzeige oder einer Berichtigung nach § 153 AO der richtige Weg, um strafrechtliche Konsequenzen abzuwenden.
hrtalk.de: Welche Entwicklungen werden das Steuerrecht und die Beratungspraxis künftig besonders prägen?
Dr. Katharina Wild: Künftige Entwicklungen im Steuerrecht werden wesentlich durch den technologischen Fortschritt gestaltet. KI-Systeme, die Buchungsmuster erkennen, Belege Steuerkennziffern zuordnen oder zur Vorbereitung Betriebsprüfungen simulieren, werden helfen, die Komplexität des Steuerrechts beherrschbar zu machen.
Steuerberater müssen über eine hohe IT-Kompetenz verfügen und heute auch Prozessberater ihrer Mandanten sein. Der Fokus wird künftig auf komplexer Strukturberatung, Nachfolgeplanung und der Krisenprävention durch Tax CMS liegen.
hrtalk.de: Frau Dr. Wild, vielen Dank für das Gespräch und die fundierten Einblicke. Ihre Perspektiven zeigen, wie eng Steuerrecht, Unternehmensführung und strategische Verantwortung heute miteinander verknüpft sind.










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