Die Frage, ob man in Stellenausschreibungen eine Gehaltsspanne angeben soll oder nicht, ist eine, die generell viele Diskussionen auslöst. Es ist ein umstrittenes Thema. Neinsager sprechen oft davon, dass es die Verhandlungsposition schwächen kann oder Konkurrenten einen ungerechtfertigten Blick auf Ihre Gehälter werfen können. Auch die Abschwächung von Eifersüchteleien unter den aktuellen Mitarbeitern wird immer wieder ins Gespräch gebracht, wenn es um Gehaltsspannen geht. Während dies sicherlich Faktoren sind, die man berücksichtigen sollte, lohnt es sich auch, die andere Seite der Medaille zu betrachten. Die Vorteile können die Nachteile bei weitem überwiegen…

Kommen wir zu den 7 Gründen, die für eine Gehaltsspanne in Stellenausschreibungen sprechen.

1. Es ist eines der ersten Dinge, nach denen Arbeitssuchende suchen

Die Vergütung und die Sozialleistungen sind das Wichtigste, wonach die meisten Bewerber suchen, wenn sie eine Stellenausschreibung lesen. Es ist ein motivierender Faktor, der nicht einfach ignoriert werden sollte. Tatsächlich sagt LinkedIn, dass 70% der Berufstätigen in der ersten Nachricht eines Recruiters etwas über das Gehalt hören wollen. Überspringen Sie also den Mittelsmann und geben Sie es in der Stellenausschreibung an. Das spart Ihnen Zeit und gibt gleichzeitig potenziell interessierten Kandidaten wichtige Informationen.

2. Die Kandidaten werden sowieso versuchen, es herauszufinden

Egal, ob sie als Erstes danach fragen oder selbst auf Seiten wie Glassdoor oder kununu recherchieren, Bewerber wollen wissen, welches Gehalt sie erwarten können. Und ein Großteil der Informationen ist ohnehin schon bekannt. Das Verschweigen der Vergütung vor den Bewerbern ist nur Augenwischerei – am Ende muss jedem potenziellen Mitarbeiter etwas geboten werden. Seien Sie aufrichtig und zeigen Sie Transparenz. Denken Sie daran, dass das Gehalt wichtig ist, aber nicht immer der entscheidende Faktor ist.

3. Diversity, Gerechtigkeit und Inclusion

Transparenz über alle Unternehmensrichtlinien, Verhaltensweisen und Leistungen wird in jedem Unternehmen immer wichtiger. Ob es um die Auswirkungen auf die Umwelt, die Behandlung von Mitarbeitern, die Vielfalt usw. geht, der Unternehmensschleier wird schnell gelüftet. Eine Möglichkeit, um sicherzustellen, dass sich Ihr Unternehmen für Gleichberechtigung und Fairness einsetzt, ist die Offenlegung von Gehaltsspannen. Das ist eine sehr wirkungsvolle Maßnahme, die verdeutlicht, dass Ihr Unternehmen nicht an gefährlicher Geheimniskrämerei interessiert ist. Unsere ortsansässigen Experten bei StudyAds für Stellenausschreibungen, sind der Meinung, dass Gehaltstransparenz ein “vertrauensbildender Faktor” ist und das Geheimhalten von Gehaltsspannen eine emotionale Belastung darstellt.

4. Millenials und Z’ler wollen es halt so

In Jennifer Deals sehr erfolgreichem Buch “What Millennials Want From Work” fand sie heraus, dass:

“Millennials besprechen ihre Vergütung am ehesten mit ihren Eltern (71 %) oder ihren Freunden (47 %). Im Vergleich dazu ist die Wahrscheinlichkeit, dass ältere Mitarbeiter ihre Vergütung mit Kollegen (19 %), Freunden (24 %) oder Eltern (31 %) besprechen, deutlich geringer.”

Offenheit über Finanzen ist ein tief verwurzelter Trend in dieser Kohorte. Und in Anbetracht der Tatsache, dass Millennials bis 2025 75% der Belegschaft ausmachen werden, lohnt es sich vielleicht, darüber nachzudenken, wie man sie für sich gewinnen kann. Wenn Gehaltsspannen diese Generation ansprechen, dann ist es sinnvoll, sie in Stellenausschreibungen zu berücksichtigen.

5. Kandidaten verlassen nicht oft Jobs, um auf dem gleichen Niveau bezahlt zu werden

Einer der Hauptgründe, warum Mitarbeiter Unternehmen verlassen, ist ein höheres Gehalt. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Gehaltshistorie Ihnen keinen Anhaltspunkt dafür gibt, wie viel ein Kandidat wert ist. Vielleicht lag sein letztes Gehalt bei 35.000€, aber aufgrund eines Gehaltsstopps innerhalb des Unternehmens ist das seit 4 Jahren der Fall. Bedeutet das, dass der Kandidat bereit ist, ein Gehalt von 36.000€ in Ihrem Unternehmen zu akzeptieren? Vielleicht nicht. Wenn Sie im Voraus angeben, was eine Stelle wert ist, ermutigen Sie starke, engagierte Kandidaten, sich zu bewerben.

6. Es wird immer normaler

Eines der größten Hindernisse für die Aufnahme einer Gehaltstabelle in Stellenausschreibungen ist die Tradition. Die Tradition hat eine Menge zu verantworten, wenn es um bestimmte Einstellungspraktiken geht. Erforderliche Jahre an Erfahrung, bestimmte Hochschulabschlüsse und viele weitere letztlich irrelevante Anforderungen. Wenn es also um Stellenausschreibungen geht, haben Unternehmen oft eine festgelegte Arbeitsweise, die möglicherweise nicht korrekt ist. Glücklicherweise zeichnet sich ein Wandel ab und viele Unternehmen nutzen bereits die Vorteile der Transparenz.

7. Sich von der Masse abheben

Obwohl sich der Trend langsam zugunsten der Angabe einer Gehaltsspanne in Stellenausschreibungen wendet, tun dies immer noch rund 50% der Deutschen-Unternehmen nicht. Die besten Kandidaten sind im Allgemeinen sehr wählerisch, auf welche Stellen sie sich bewerben, warum also nicht versuchen, das Interesse zu wecken, wo Sie können? Eine offene und ehrliche Darstellung einer Position, einschließlich der Vergütung, kann Ihnen in einem gesättigten Markt einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Nun könnte man auch das umgekehrte Argument anführen – dass eine zu niedrige Gehaltsspanne die Kandidaten abschrecken kann. Aber ist es nicht besser, dies von Anfang an zu wissen, anstatt die Zeit von Bewerbern und Recruitern/Managern zu verschwenden? Es könnte sich negativ auf die Erfahrung der Kandidaten auswirken und im weiteren Verlauf zu mehr Problemen führen.

Es ist verständlich, dass einige Unternehmen zögern, eine Gehaltsspanne in ihren Stellenausschreibungen anzugeben. Kleinere oder Nischenunternehmen können vielleicht nicht mit den großen Unternehmen konkurrieren und wollen nicht wie eine zweite Wahl erscheinen. Und obwohl Geld natürlich ein wichtiger Motivator für Arbeitssuchende ist, ist es nicht immer der primäre Antrieb. Auch Vorteile, wie eine bessere Unternehmenskultur und die Möglichkeit, Remote zu arbeiten, können die Meinung beeinflussen. Aber die Transparenz und Einfachheit, die die Angabe einer Gehaltsspanne bietet, ist nicht zu übersehen. Am Ende des Tages wird ein Bewerber nur das akzeptieren, was er wert ist, warum also nicht mit dem Trend gehen?