Es gibt eine neue Social-Media-Plattformauf dem Markt Namens tinyfeed. Natürlich musste ich es sofort unter die Lupe nehmen. Vor allem Unternehmen und Recruiter denken sich jetzt bestimmt, nicht noch eine weitere Plattform! Doch ich kann euch jetzt schon beruhigen, tinyfeed will den Social Media Markt von einer ganz anderen Seite aufziehen.

Während auf Facebook und Co mittlerweile mehr Katzenvideos und Werbeanzeigen euren Feed verschmutzen, soll auf tinyfeed nur der Inhalt von Freunden gesehen werden. Jeder der von euch die Netflix Doku “The Social Dilemma” gesehen hat, kennt die Ziele der großen Plattformen: Den Nutzer so lange wie möglich auf der Plattform halten (am besten 24/7). Auch hier macht es nicht den Anschein, als ob tinyfeed dieses Ziel verfolgt. Aber kommen wir nun zur tinyfeed.

Die Willkommens-Seite von tinyfeed

Wenn ich auf tinyfeed.co gehe, sehe ich erst einmal folgenden Text:

“Social, without the media *circus”

Mit Circus ist wohl alles gemeint, was bei Facebbok, Instagram, TikTok usw. derzeit in Kritik steht, immer mehr posten, immer mehr Content kreieren, immer mehr Werbung immer mehr User immer mehr mehr mehr. Tinyfeed Konzept sieht wie folgt aus:

Ihr seht immer nur den letzten Content eurer Freunde und Verwandte, mit denen ihr befreundet seid. Kommt neuer Content von einem eurer Freunde hinzu, verschwindet der letzte Beitrag.

Klingt erst einmal nach einer enstpannten Social Media Plattform. Schon ein bisschen wie Facebbok ganz am Anfang. Als es noch nicht kommerziell wurde. Aber weiter im Text. Was finden wir noch auf der Mainpage (Folgender Text ist ins deutsche übersetzt):

“tinyfeed ist ein minimalistischer, unaufdringlicher Ansatz für die soziale Interaktion im Internet.

Ihr tinyfeed besteht nur aus den aktuellsten Status-Updates derer, die Ihnen wichtig sind. Ein Status pro Person. Aktualisiert in Echtzeit. Das ist alles.

tinyfeed wurde erstellt, indem all die Dinge entfernt wurden, von denen wir glauben, dass sie heutzutage bei sozialen Websites falsch sind.

tinyfeed lässt sich wahrscheinlich besser durch das beschreiben, was es (von der Konzeption her) nicht hat, als durch das, was es tut.

tinyfeed hat

  1. No history. Ändern Sie, was Sie vorhaben? Ihr Status ändert sich und die Vergangenheit ist Vergangenheit. Haben Sie einen Fehler in Ihrem Posten gemacht? Kein Grund zum Editieren, einfach noch einmal posten und schon ist er weg.
  2. No direct interaction. Wie z.B. DM’s oder Messaging.
  3. No Likes. Oder Like-Ökonomie welcher Art auch immer.
  4. No media (abgesehen von Ihrem Profilbild)..
  5. No disruptive notifications.
  6. No ads. 
  7. No data collection.

Was Sie stattdessen bekommen, ist ein kleines Fenster in die Welt derer, die Ihnen wichtig sind – auch (und vor allem) wenn Sie vielleicht nicht immer Zeit zum Reden haben – alles ohne die Ablenkung und den Konsum, die in den sozialen Medien so weit verbreitet sind. Verwenden Sie tinyfeed, um einfach in Kontakt zu bleiben oder als Sprungbrett für das nächste Mal, wenn Sie zum Telefonhörer greifen oder sich auf einen Kaffee treffen.”

Was? Wirklich alles ohne den klassischen Social Media Misst?

Tatsächlich stimmt das alles, was auf der Seite steht. Was aus dem Text von tinyfeed jetzt noch nicht so ganz klar rauskam ist, dass auch kein Profil von einem existiert. Mit mit “No media” ist wirklich kein Art von Medien gemeint, die man posten könnte. Noch nicht einmal Links können geteilt werden. Wie es aussieht, wenn man Content posten möchte, seht ihr im folgenden Bild:

tinyfeed Beitrag

Schon hier könnt Ihr sehen, dass tinyfeed für Unternehmen und Recruiter eher weniger Interessant ist. Denn Employer Branding Kampagnen müssen gesehen werden und das nicht nur in Textform. Active Sourcing gestaltet sich als schwierig, wenn keine Personen vorgeschlagen werden, sondern die Friendlist nur mit direkter Namensanfrage wachsen kann. Doch wie sieht das ganze denn nun ungefähr aus, wenn man Freunde hat und der Feed sich nach und nach füllt? Hier habe ich ein Bild von tinyfeed, wie sowas aussehen kann:

tinyfeed feed

Wer steckt hinter tinyfeed?

Wer genau hinter tinyfeed steckt, ist noch unklar. Zumindest exsitiert kein Impressum oder ähnliches, woraus man schließen könnte, wer die Plattform entwickelt hat. Lediglich auf Producthunt könnte man darauf schließen, dass der UX Designer Owen Schebella der Erfinder ist. Hier schreibt er auch folgendes:

“Also, ich bin heute völlig über soziale Medien und alles, was damit zusammenhängt, hinweg…
Von der Werbung, über die Datensammlung (und -verteilung), die ganze “like-economy” und die Unsicherheit/Körperdismorphie/fomo, die sich darin manifestiert, über die kognitive Belastung durch so viele Bilder und Videos bis hin zum Cyber-Mobbing, das über Direct Messaging stattfindet, oh und die ständige Nachfrage nach meiner Zeit und Aufmerksamkeit. Je länger sich die sozialen Medien entwickeln, desto weniger fühlt es sich um “sozial” und mehr um “Medien und Marketing” an. Als Marketing-Instrument ist es beispiellos, aber als soziales Instrument habe ich das Gefühl, dass es seinen Weg völlig verloren hat.
Die Lösung
tinyfeed! juhu
Ein minimalistischer, unaufdringlicher, amnestischer sozialer Feed, der im Kern auf Privatsphäre und Einfachheit beruht.
Sie können es allein, als eine Art minimalistische Bioseite verwenden, indem Sie öffentlich posten, oder mit Ihren Freunden und Ihrer Familie, um mit allen und nur mit ihnen auf dem Laufenden zu bleiben, indem Sie privat posten. Privatsphäre ist das Herzstück von tinyfeed.
tinyfeed wird niemals Ihre Zeit oder Aufmerksamkeit beanspruchen, es wird Ihre Daten nicht sammeln (tatsächlich behält es nur Ihren aktuellen Status bei), es wird Ihnen keine Benachrichtigungen schicken oder Sie mit Bildern bombardieren, es wird Ihnen keine Werbung verkaufen, es wird Ihre Sucht nach sozialen Medien heilen, wenn Sie eine haben, und es wird Sie mit allen in Kontakt halten, die Ihnen wichtig sind (ohne den Kontakt zu Ihrem wirklichen Leben zu verlieren)”

Kommt euch das nicht auch bekannt vor?

Wenn ich mit die Plattform mal genauer anschaue, dann finde ich schon die ien oder andere Überschneidung zu anderen Social Media Plattformen. Wenn ihr mich fragt, ist tinyfeed ein Mix aus dem alten Twitter und Snapchat mit der zusätzlichen Eigenschaft, dass nur Freunde euren Content sehen können. Ob sich diese Plattform auf dem Markt durchsetzen wird, wird die Zeit uns zeigen. Sind wir schon so weit, dass wir nicht mehr nach Likes schmachten?