Rechtssicherheit in der neuen Arbeitswelt: Dr. Olsen im Dialog über moderne Herausforderungen und juristische Präzision

von | HR Interviews, HR talks

Rechtssicherheit in der Arbeitswelt
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Die Dynamik auf dem modernen Arbeitsmarkt hat in den letzten Jahren massiv zugenommen. Themen wie mobiles Arbeiten, die digitale Zeiterfassung und der allgegenwärtige Fachkräftemangel stellen Personalverantwortliche und Geschäftsführungen täglich vor neue juristische Hürden. Um Licht in dieses komplexe Dickicht aus Paragrafen, aktuellen Urteilen und praktischen Anforderungen zu bringen, hat unsere Redaktion einen Experten zum Gespräch gebeten, der die Praxis aus nächster Nähe kennt.

Dr. Dietmar Olsen steht mit seiner Kanzlei für eine Beratung, die weit über das bloße Zitieren von Gesetzestexten hinausgeht. Als erfahrener Anwalt für Arbeitsrecht in München begleitet er Unternehmen, Betriebsräte und Fachkräfte seit vielen Jahren durch alle Phasen des Arbeitsverhältnisses. Sein Ansatz verbindet fundierte juristische Tiefe mit dem notwendigen strategischen Weitblick, der in einer sich wandelnden Berufswelt unverzichtbar ist.

In unserer täglichen Arbeit bei HR Talk stellen wir fest, dass der Bedarf an klarer Orientierung wächst. Ob es um die rechtssichere Gestaltung moderner Verträge oder die Begleitung in schwierigen Kündigungsschutzprozessen geht – die Expertise eines Fachmanns entscheidet oft über den wirtschaftlichen Erfolg und den Betriebsfrieden.

Im folgenden Interview gibt Dr. Olsen tiefe Einblicke in die häufigsten Fallstricke der aktuellen Rechtsprechung und erklärt, worauf es bei einer zukunftsorientierten Rechtsberatung heute wirklich ankommt:

  • Prävention statt Konflikt: Warum die Vertragsgestaltung das wichtigste Werkzeug ist.
  • Moderne Arbeitsformen: Wie Remote Work und Zeiterfassung rechtssicher gelingen.
  • Strategisches Handeln: Worauf es bei Trennungsprozessen und Verhandlungen ankommt.

Flexibilität und Remote Work

HR Talk:

Herr Dr. Olsen, die Arbeitswelt hat sich durch Homeoffice und flexible Modelle radikal verändert. Wo sehen Sie derzeit die größten rechtlichen Unsicherheiten bei Ihren Mandanten, insbesondere wenn es um die Abgrenzung von Arbeitszeit, Erreichbarkeit und den notwendigen Arbeitsschutz im Privaten geht?

Dr. Olsen: 

Zum einen erwarten Arbeitgeber eine immer kürzere Reaktionszeit ihrer Mitarbeiter, oft in der Annahme, dass diese als Gegenleistung für die zeitliche und örtliche Flexibilität Anfragen unverzüglich bearbeiten. Zum anderen führt die Verlagerung von klassischen Büroarbeitsplätzen ins Homeoffice oder in das mobile Arbeiten dazu, dass Arbeitgeber teilweise keine Notwendigkeit mehr sehen, die anfallende Arbeit durch hier ansässige und im internationalen Vergleich teure Arbeitskräfte erbringen zu lassen. Gerade global agierende Unternehmen nutzen Standortvorteile im Ausland, bauen in Deutschland Stellen ab und lassen Tätigkeiten vermehrt remote aus dem Ausland erledigen. Diese Entwicklung kostet uns hierzulande viele Arbeitsplätze.

Die neue Arbeitszeiterfassung

HR Talk: 

Das Thema Zeiterfassung ist nach den jüngsten Grundsatzentscheidungen in aller Munde. Welche pragmatischen Lösungen empfehlen Sie Unternehmen heute, um die gesetzlichen Anforderungen rechtssicher zu erfüllen, ohne dabei die Flexibilität der Vertrauensarbeitszeit oder die Motivation der Belegschaft durch übermäßige Bürokratie zu gefährden?

Dr. Olsen: 

Bis heute gibt es in Deutschland noch keine gesetzliche Umsetzung dieser Verpflichtung. Dennoch existieren bereits vereinzelte Gerichtsurteile, in denen Arbeitgebern eine fehlende Zeiterfassung zum Verhängnis wurde, weil die Richter eine solche Pflicht bereits jetzt bejahen. Dies kann bei einem – in der Praxis gar nicht so seltenen – Streit über Überstunden dem betroffenen Mitarbeiter einen erheblichen Vorteil verschaffen. Jedem Arbeitgeber ist daher zu raten, sich schon jetzt intensiv mit den technischen und rechtlichen Voraussetzungen der Zeiterfassung zu beschäftigen.

Fallstricke im Kündigungsschutz

HR Talk: 

Im Bereich von Kündigungen schleichen sich oft folgenschwere Formfehler ein, die vor Gericht teuer werden können. Was sind aus Ihrer Sicht die drei kritischsten Punkte, die Arbeitgeber bei Trennungsprozessen oft unterschätzen, und wie lassen sich diese proaktiv vermeiden?

Dr. Olsen: 

Manchen Arbeitgebern ist nicht bewusst, dass sie im Zweifel den Zugang einer Kündigung beim betroffenen Mitarbeiter beweisen müssen. Zudem ist das strenge Schriftformerfordernis häufig nicht bekannt. Besteht ein Betriebsrat, der zwingend vor Ausspruch der Kündigung angehört werden muss, wird oft der Fehler gemacht, dass bei dieser Anhörung unzureichend argumentiert wird – was für sich genommen bereits zur Unwirksamkeit der Kündigung führen kann. Nicht zu unterschätzen sind außerdem fehlende Kenntnisse über den Sonderkündigungsschutz, beispielsweise während der Elternzeit oder bei einer Schwerbehinderung.

Prävention durch Vertragsgestaltung

HR Talk: 

Oft wird rechtlicher Rat erst gesucht, wenn es bereits zum Konflikt gekommen ist. Wie wichtig ist die präventive Gestaltung von Arbeitsverträgen heute wirklich, um spätere Rechtsstreitigkeiten zu minimieren, und welche Klauseln sollten in einem modernen Vertrag keinesfalls mehr fehlen?

Dr. Olsen: 

Das lässt sich nicht in einem Satz beantworten, da die Materie sehr komplex ist – insbesondere seit den 2022 verschärften gesetzlichen Anforderungen an den Inhalt von Arbeitsverträgen durch das Nachweisgesetz. Um das obige Thema aufzugreifen: Wer Homeoffice vereinbaren möchte, sollte sich dies vertraglich zusichern lassen. Generell sollte man nie auf mündliche Zusagen vertrauen, sondern großen Wert darauf legen, jegliche Vereinbarungen auch vertraglich festzuhalten.

Blick in die Zukunft des Rechts

HR Talk: 

Zum Abschluss ein Blick nach vorn: Welche gesetzlichen Neuerungen oder Trends in der Rechtsprechung kommen auf die Personalabteilungen in naher Zukunft zu, auf die man sich bereits heute vorbereiten sollte, um auch langfristig juristisch auf der sicheren Seite zu stehen?

Dr. Olsen: 

Künstliche Intelligenz hält derzeit überall Einzug, weshalb man sich verstärkt mit datenschutzrechtlichen Fragestellungen auseinandersetzen muss. Unabhängig davon sollte das aktuell verwendete Arbeitsvertragsmuster regelmäßig einer anwaltlichen Überprüfung unterzogen werden, um auf dem neuesten Stand zu bleiben.

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