Was jahrelang als Nischenthema für Geologen oder spezialisierte Strahlenschützer galt, ist mit dem Start des laufenden Geschäftsjahres endgültig in den Fokus der Personalabteilungen und Sicherheitsbeauftragten gerückt. Das radioaktive Edelgas Radon, farblos, geruchlos und dennoch nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs in Deutschland, lässt sich nicht länger ignorieren. Mit rund 2.800 Todesfällen pro Jahr, die das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) diesem natürlichen Phänomen zuschreibt, ist die regulatorische Daumenschraube nun fest angezogen. Besonders in den offiziell ausgewiesenen Radonvorsorgegebieten – von den Mittelgebirgen bis in Teile Süddeutschlands – ist die Schonfrist abgelaufen.
Es geht nicht mehr nur um das bloße Bewusstsein für eine unsichtbare Gefahr; im Jahr 2026 ist die Integration von Radon-Messungen in die gesetzliche Gefährdungsbeurteilung eine unumgängliche Pflichtaufgabe. Arbeitgeber in Erd- und Kellergeschoss-Arbeitsplätzen stehen in der Verantwortung, ihre Sorgfaltspflicht durch valide Daten zu untermauern. Wir sprechen heute mit Jan Ferch von Radonova darüber, wie Unternehmen diese Hürden meistern und warum die systematische Umsetzung heute wichtiger ist denn je.
hrtalk.de: Herr Ferch, wir schreiben das Frühjahr 2026 und das Thema Radon scheint präsenter denn je. Während man früher oft von einem „theoretischen Risiko“ sprach, berichten Regionalmedien, etwa aus dem Harz, heute ganz konkret über Messwerte und geologische Belastungen. Hat sich die Wahrnehmung in den Chefetagen tatsächlich gewandelt oder reagieren viele Unternehmen erst jetzt auf den regulatorischen Druck?
Jan Ferch: Es ist eine interessante Entwicklung zu beobachten. Wir haben das Stadium der reinen „Awareness“, also des bloßen Wissens um die Existenz von Radon, weitgehend hinter uns gelassen. 2026 ist das Jahr der harten Umsetzung. Der Druck kommt heute von zwei Seiten: Einerseits durch die gesetzliche Verpflichtung im Strahlenschutzgesetz, die keine Ausreden mehr zulässt, und andererseits durch eine sensibilisierte Belegschaft. Wenn in Regionen wie dem Harz oder dem Erzgebirge öffentlich über Uran- und Radonwerte diskutiert wird, fragen Mitarbeiter proaktiv nach der Sicherheit ihres Arbeitsplatzes. Ein Arbeitgeber, der dann keine validen Messergebnisse vorweisen kann, gerät schnell in eine defensive Position. Die geologische Realität lässt sich nicht wegdiskutieren, und die Unternehmen realisieren zunehmend, dass Radon-Schutz kein bürokratisches Hindernis ist, sondern ein elementarer Bestandteil der Gesundheitsvorsorge.
hrtalk.de: Wenn wir über die Messpflicht sprechen, herrscht oft noch Unklarheit über den Ablauf. Das Strahlenschutzgesetz schreibt eine Messdauer von zwölf Monaten vor. Warum ist dieser lange Zeitraum so entscheidend und reichen punktuelle Kurzzeitmessungen nicht aus, um die Gefährdung zu beurteilen?
Jan Ferch: Das ist ein entscheidender Punkt, den wir oft erklären müssen. Radonkonzentrationen in Innenräumen sind extrem volatil. Sie schwanken nicht nur zwischen Tag und Nacht, sondern massiv über die Jahreszeiten hinweg. Im Winter, wenn Gebäude stärker geheizt werden und der sogenannte „Kamineffekt“ Radon aus dem Boden regelrecht ansaugt, sind die Werte oft deutlich höher als im Sommer. Eine Kurzzeitmessung über ein paar Tage wäre lediglich eine Momentaufnahme und für die gesetzliche Gefährdungsbeurteilung wertlos. Der Gesetzgeber fordert den Jahresmittelwert, weil das gesundheitliche Risiko – insbesondere das Lungenkrebsrisiko – mit der langfristigen Exposition korreliert. Wir nutzen dafür zugelassene Passiv-Detektoren, die ohne Strom auskommen und über ein volles Jahr hinweg die Alpha-Teilchen aufzeichnen. Nur so erhält man eine rechtssichere Datenbasis, die den tatsächlichen Schutz der Mitarbeiter widerspiegelt.
hrtalk.de: Der gesetzliche Referenzwert liegt bei 300 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³). Was passiert in der Praxis, wenn ein Unternehmen nach dem Messjahr feststellt: Wir liegen bei 310 oder 350 Bq/m³? Ist das Gebäude dann sofort „sanierungsbedürftig“?
Jan Ferch: Erst einmal bedeutet ein Überschreiten des Referenzwerts von 300 Bq/m³, dass unverzüglich Maßnahmen zur Reduzierung eingeleitet werden müssen. Das klingt dramatischer, als es oft ist. In vielen Fällen helfen bereits einfache bauliche oder organisatorische Anpassungen. Das kann eine optimierte Lüftungsstrategie sein oder das Abdichten von Kabeldurchführungen und Rissen im Fundament, durch die das Gas eindringt. Wichtig ist: Nach den Maßnahmen muss erneut gemessen werden, um deren Wirksamkeit zu belegen. Bleiben die Werte trotz aller Bemühungen über dem Referenzwert, greift eine erweiterte Meldepflicht gegenüber den zuständigen Landesbehörden. Das Ziel ist nicht die Stilllegung von Standorten, sondern die Minimierung der Strahlenexposition auf ein vernünftiges Maß. Wer hier proaktiv agiert und auf Anbieter wie Radonova für Radon Messgeräte setzt, hat den Prozess in der Regel gut im Griff.
hrtalk.de: Sie erwähnten, dass bestimmte Branchen 2026 besonders unter Beobachtung stehen, unabhängig davon, ob sie sich in einem ausgewiesenen Vorsorgegebiet befinden. Warum sind gerade Wasserwerke und Brauereien so stark exponiert?
Jan Ferch: Das liegt in der Natur der Sache, genauer gesagt im Medium Wasser. Radon ist ein Gas, das sich sehr gut in Grundwasser löst. In Wasserwerken oder Brauereien, wo große Mengen Grundwasser gefördert, bewegt, versprüht oder offen gelagert werden, entweicht das Radon aus dem Wasser in die Raumluft. In geschlossenen Anlagen kann das zu extrem hohen Konzentrationen führen. Hier greifen oft spezifische Fachrichtlinien, die eine flächendeckende Messpflicht vorsehen, weil wir es mit „Arbeitsplätzen mit erhöhter Exposition“ zu tun haben. Für diese Betriebe ist Radon kein neues Thema, aber die Anforderungen an die Dokumentation und die technischen Schutzkonzepte, wie etwa spezielle Entgasungs- und Belüftungssysteme, sind 2026 deutlich strenger geworden.
hrtalk.de: In den letzten Jahren haben Bundesländer wie Sachsen, Bayern oder Thüringen ihre Vorsorgegebiete definiert. Beobachten Sie einen Trend, dass diese Gebiete 2026 ausgeweitet werden? Sollten sich auch Unternehmen in „Grenzgebieten“ bereits vorbereiten?
Jan Ferch: Absolut. Wir sehen, dass sich die Datenlage durch die flächendeckenden Messungen der letzten Jahre massiv verdichtet hat. Das Bundesamt für Strahlenschutz aktualisiert seine Karten laufend. Es ist durchaus zu erwarten, dass weitere Kommunen in die Pflicht genommen werden, wenn neue Messdaten zeigen, dass das geologische Potenzial unterschätzt wurde. Ich rate Unternehmen, die in der Nähe bestehender Vorsorgegebiete liegen, nicht auf den Tag X zu warten. Eine freiwillige Messung schafft Klarheit und Sicherheit. Wer erst reagiert, wenn die Behörde anklopft, verliert wertvolle Zeit, da der Messzyklus nun mal zwölf Monate dauert. Proaktivität ist hier der beste Schutz vor regulatorischem Druck und möglichen Bußgeldern.
hrtalk.de: Ein Kritikpunkt, den man oft hört, ist der wirtschaftliche Aspekt. Sanierungen und dauerhafte Überwachungskonzepte kosten Geld. Stehen die Kosten in einem vernünftigen Verhältnis zum Risiko?
Jan Ferch: Man muss das ins Verhältnis setzen. Die Kosten für die reinen Messmittel sind im Vergleich zu anderen Arbeitsschutzmaßnahmen verschwindend gering. Eine vernünftige Dokumentation schützt das Unternehmen vor weitaus höheren Kosten, die durch Haftungsansprüche oder langwierige Sanierungsstaus entstehen können. Wenn wir über 2.800 Todesfälle pro Jahr sprechen, ist die ethische Frage ohnehin beantwortet. Aber auch rein betriebswirtschaftlich gedacht: Ein gesundes Arbeitsumfeld ist 2026 ein Wettbewerbsvorteil im Kampf um Fachkräfte. Die „unsichtbare Gefahr“ sichtbar zu machen und zu managen, ist schlichtweg moderne Unternehmensführung.
hrtalk.de: Zum Abschluss: Was ist Ihr wichtigster Rat für einen Personalverantwortlichen oder einen Geschäftsführer, der heute feststellt, dass er den zwölfmonatigen Messzyklus bisher versäumt hat?
Jan Ferch: Fangen Sie sofort an. Es gibt keinen Grund, das Thema weiter aufzuschieben. Der März ist ein hervorragender Zeitpunkt, um die Detektoren zu platzieren und den Prozess zu starten. Dokumentieren Sie den Beginn der Messungen in Ihrer Gefährdungsbeurteilung. Damit signalisieren Sie den Behörden und Ihren Mitarbeitern: Wir nehmen das Thema ernst. Radon verschwindet nicht von selbst, aber mit den richtigen Daten lässt es sich absolut sicher beherrschen.
hrtalk.de: Herr Ferch, wir danken Ihnen herzlich für dieses aufschlussreiche Gespräch und die tiefen Einblicke in die aktuelle Strahlenschutz-Thematik.
Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf https://radonova.de/.










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