Jeden Monat etwas vom Gehalt zurücklegen und damit für später vorsorgen: Das klingt einfach. Schwieriger wird es bei der Frage, welches Angebot dafür geeignet ist. Ein ETF-Sparplan, eine Rentenversicherung oder doch ein staatlich geförderter Vertrag?
Ab 2027 kommt mit dem Altersvorsorgedepot eine neue Möglichkeit hinzu. Es verbindet kapitalmarktbasierte Geldanlage mit staatlicher Förderung. Für Beschäftigte kann daraus ein zusätzlicher Baustein für den Ruhestand werden. Entscheidend sind allerdings nicht allein die Zuschüsse: Auch Kosten, Anlagerisiken und die langfristige Bindung des Geldes zählen.
Stand: 25. Oktober 2026.
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist eine staatlich geförderte Form der privaten Altersvorsorge. Innerhalb eines entsprechenden Vertrags kannst du Geld am Kapitalmarkt anlegen, beispielsweise über geeignete Fonds und ETFs.
Die Besonderheit: Beim Altersvorsorgedepot ist keine Beitragsgarantie vorgeschrieben. Das eröffnet höhere Renditechancen, bedeutet aber auch, dass Verluste möglich sind. Für Menschen mit höherem Sicherheitsbedürfnis sieht die Reform daneben weiterhin Garantieprodukte vor.
Die neuen Produkte sollen ab 1. Januar 2027 angeboten werden. Die Reform wurde bereits beschlossen; bestehende Riester-Verträge werden dadurch nicht automatisch beendet.
Wie funktioniert die staatliche Förderung?
Die Grundzulage richtet sich nach deinen eigenen Einzahlungen. Für unmittelbar Förderberechtigte sieht das neue Modell folgende Staffel vor:
- Für die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr beträgt die Förderung 50 Prozent.
- Für weitere Einzahlungen bis insgesamt 1.800 Euro jährlich gibt es 25 Prozent.
- Daraus ergibt sich eine maximale Grundzulage von 540 Euro pro Jahr.
Unter den jeweiligen Voraussetzungen kommen eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr sowie ein einmaliger Berufseinsteigerbonus von 200 Euro bei Vertragsabschluss vor dem 25. Geburtstag hinzu. Neben Beschäftigten werden auch Selbstständige in den Kreis der Förderberechtigten einbezogen.
Beispiel: Wie viel Förderung gibt es bei welchem Sparbeitrag?
Die folgende Rechnung zeigt ausschließlich die Grundzulage. Kinderzulagen, zusätzliche steuerliche Effekte, Kosten und Wertveränderungen sind nicht enthalten.
| Monatlicher Eigenbeitrag | Eigenbeitrag pro Jahr | Grundzulage pro Jahr | Eigenbeitrag plus Grundzulage |
|---|---|---|---|
| 10 Euro | 120 Euro | 60 Euro | 180 Euro |
| 25 Euro | 300 Euro | 150 Euro | 450 Euro |
| 30 Euro | 360 Euro | 180 Euro | 540 Euro |
| 50 Euro | 600 Euro | 240 Euro | 840 Euro |
| 100 Euro | 1.200 Euro | 390 Euro | 1.590 Euro |
| 150 Euro | 1.800 Euro | 540 Euro | 2.340 Euro |
Eigene Berechnung anhand der Förderstaffel; vorausgesetzt sind ein förderfähiger Vertrag und persönliche Förderberechtigung.
Bei 150 Euro monatlichem Eigenbeitrag kommen somit jährlich 540 Euro Grundzulage hinzu. Mehr einzuzahlen erhöht die Grundzulage nicht weiter. Der Mindesteigenbeitrag liegt grundsätzlich bei 120 Euro jährlich.
Wichtig für die Einordnung: Die Zulage ist keine jährliche Rendite auf das gesamte Depotvermögen. Sie wird anhand der förderfähigen Einzahlungen berechnet. Wie sich das bereits angesparte Vermögen entwickelt, hängt insbesondere von den Anlagen und Kosten ab.
Was unterscheidet Altersvorsorgedepot und Standarddepot?
Die Reform umfasst unterschiedliche Produktvarianten. Beim Altersvorsorgedepot steht die Auswahl zugelassener Anlagen im Vordergrund. Das Standarddepot soll den Einstieg mit einer vereinfachten Anlageauswahl erleichtern.
Dabei werden Anlagen unterschiedlicher Risikoklassen kombiniert. Auch ein Standarddepot bietet keine Kapitalgarantie. Daneben gibt es separate Garantieprodukte mit einer Absicherung von 80 oder 100 Prozent des Kapitals nach den jeweiligen Vertragsbedingungen.
Für deine Auswahl bedeutet das: Prüfe zuerst, wie viel Entscheidungsspielraum du möchtest und welche Schwankungen du tragen kannst. Erst danach lohnt sich der Vergleich einzelner Angebote.
Welche Kosten können entstehen?
Staatliche Förderung macht einen teuren Vertrag nicht automatisch attraktiv. Über viele Jahre können Gebühren einen erheblichen Teil der möglichen Wertentwicklung aufzehren.
Beim Standarddepot wird die durchschnittliche jährliche Renditeminderung durch Kosten auf ein Prozent begrenzt. Diese Grenze betrifft das Standardprodukt und lässt sich nicht pauschal auf jedes Altersvorsorgedepot übertragen.
Achte beim Angebotsvergleich insbesondere auf:
- Vertrags- und Verwaltungskosten: Was verlangt der Anbieter für die laufende Betreuung?
- Fondskosten: Welche laufenden Kosten entstehen innerhalb der ausgewählten Anlagen?
- Handelskosten: Werden Käufe, Verkäufe oder Änderungen separat berechnet?
- Wechselkosten: Welche Gebühren fallen bei einem Anbieterwechsel an?
- Kosten der Auszahlung: Welche Belastungen entstehen später bei der Auszahlung oder Verrentung?
Lass dir die Gesamtbelastung erklären. Eine kostenlose Depotführung allein sagt wenig darüber aus, wie günstig der gesamte Vertrag ist.
Ein vereinfachtes Rechenbeispiel zeigt die Größenordnung: Bei 50.000 Euro Vermögen entspricht ein Kostenunterschied von 0,5 Prozentpunkten zunächst 250 Euro jährlich. Über längere Zeit kommt hinzu, dass das für Gebühren verwendete Geld keine weiteren Erträge erwirtschaften kann.
Welche Risiken hat das Altersvorsorgedepot?
Ein Altersvorsorgedepot investiert am Kapitalmarkt. Sein Wert kann deshalb deutlich schwanken. Die staatliche Förderung schützt dich nicht vor Kursverlusten.
Auch bei einem langen Anlagezeitraum ist ein bestimmter Gewinn nicht garantiert. Besonders relevant werden Schwankungen, wenn die Auszahlung näher rückt: Ein Kursrückgang kurz vor dem Ruhestand kann die weitere Planung erschweren.
Hinzu kommt die eingeschränkte Verfügbarkeit. Das Geld ist für die Altersvorsorge bestimmt und grundsätzlich an entsprechende Auszahlungsbedingungen gebunden. Es eignet sich deshalb nicht als Ersatz für einen jederzeit verfügbaren Notgroschen.
Stelle dir vor einem Abschluss daher zwei Fragen: Kann ich den Beitrag langfristig aufbringen? Und könnte ich größere unerwartete Ausgaben bezahlen, ohne auf dieses Vermögen zugreifen zu müssen?
Wie werden Auszahlungen und Steuern behandelt?
Das Modell sieht eine nachgelagerte Besteuerung vor: Die steuerliche Belastung erfolgt grundsätzlich in der Auszahlungsphase. Ein möglicher Vorteil hängt unter anderem davon ab, wie hoch dein persönlicher Steuersatz dann ist.
Für die Auszahlung sind eine lebenslange Rente oder ein befristeter Auszahlungsplan vorgesehen. Letzterer muss mindestens bis zum 85. Lebensjahr reichen.
Diese Entscheidung verdient Aufmerksamkeit: Eine lebenslange Rente und ein zeitlich begrenzter Auszahlungsplan erfüllen unterschiedliche Bedürfnisse. Prüfe insbesondere, welche laufenden Einnahmen du im hohen Alter voraussichtlich aus anderen Quellen hast.
Vergleiche außerdem niemals nur die angezeigten Depotwerte. Für deine spätere finanzielle Situation zählt, was nach Kosten und Steuern tatsächlich verfügbar bleibt.
Was passiert mit einem bestehenden Riester-Vertrag?
Bestehende Riester-Verträge können weitergeführt werden. Es gibt weder eine automatische Kündigung noch eine automatische Umwandlung in ein Altersvorsorgedepot. Ein freiwilliger Wechsel in das neue System ist möglich.
Ob ein Wechsel sinnvoll ist, lässt sich nur anhand des konkreten Vertrags beurteilen. Vergleiche vorhandene Garantien, laufende Kosten, mögliche Wechselkosten und die verbleibende Zeit bis zum Ruhestand.
Eine neue Produktbezeichnung allein ist kein ausreichender Grund, einen bestehenden Vertrag aufzugeben.
Für wen kann das Altersvorsorgedepot interessant sein?
Als zusätzlicher Vorsorgebaustein kommt es insbesondere dann infrage, wenn du langfristig sparen möchtest, förderberechtigt bist und das Geld für den Ruhestand reservieren kannst.
Für deine persönliche Abwägung helfen fünf Fragen:
- Ist eine finanzielle Reserve vorhanden? Unvorhergesehene Ausgaben sollten nicht sofort deine Altersvorsorge gefährden.
- Passt der Beitrag zum Budget? Wähle eine Sparrate, die auch neben Miete, Familie und anderen Verpflichtungen tragbar bleibt.
- Wie lange bleibt das Geld angelegt? Der verbleibende Zeitraum beeinflusst, welche Anlagerisiken vertretbar erscheinen.
- Wie hoch sind die Gesamtkosten? Vergleiche mehrere konkrete Angebote anhand derselben Kriterien.
- Welche Vorsorge besteht bereits? Beziehe gesetzliche Rente, betriebliche Altersversorgung und vorhandenes Vermögen ein.
Die passende Lösung kann auch aus mehreren Bausteinen bestehen: frei verfügbare Rücklagen für kurzfristige Ausgaben, flexible Geldanlage für mittelfristige Ziele und zweckgebundene Vorsorge für den Ruhestand.
Warum ist das Thema für Arbeitgeber und HR relevant?
Das Altersvorsorgedepot betrifft die private Vorsorge. Im Unternehmen kann es dennoch Fragen auslösen: Wie unterscheidet es sich von der Betriebsrente? Welche Möglichkeiten bestehen bereits? Wo finden Beschäftigte verständliche Informationen?
HR kann hier Orientierung bieten, etwa durch einen neutralen Überblick über die unterschiedlichen Vorsorgewege oder ein Informationsangebot mit unabhängigen Fachleuten.
Hilfreich ist dabei eine klare Zuordnung: Welche Leistungen bietet das Unternehmen an, welche Entscheidungen treffen Beschäftigte privat und wer kann individuelle Fragen beantworten?
Worauf du vor dem Abschluss achten solltest
Das Altersvorsorgedepot erweitert die Möglichkeiten, für den Ruhestand vorzusorgen. Die Förderung kann dabei unterstützen, eigenes Vermögen aufzubauen. Ob ein konkretes Angebot zu dir passt, entscheidet sich jedoch an seinem Gesamtpaket.
Prüfe deshalb Förderberechtigung, Kosten, Anlageauswahl, Risiken und Auszahlungsbedingungen gemeinsam. Ein verständlicher Vertrag und eine dauerhaft tragbare Sparrate sind die Grundlage dafür, dass aus einem neuen Produkt ein sinnvoller Teil deiner Vorsorge wird.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Anlage- oder Steuerberatung.









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